Nach wie vor heizt fast jeder zweite Haushalt in Deutschland mit Gas, knapp jeder vierte mit Heizöl. Nach Angaben des Bundesbauministeriums macht die Wärmeversorgung hierzulande mehr als 50 Prozent des gesamten Endenergieverbrauchs aus und verursacht einen Großteil des CO2-Ausstoßes. Gleichzeitig haben jüngste Entwicklungen einmal mehr gezeigt, dass die Preise für Gas und Öl kurzfristig stark steigen können. Für eine zukunftsfeste, verlässliche und vor allem bezahlbare Wärmeversorgung sollen daher zukünftig erneuerbare Energien zum Einsatz kommen. Entsprechende Grundlagen regelt das Wärmeplanungsgesetz (WPG) des Bundes, das seit dem 1. Januar 2024 gilt und Kommunen zur Erstellung einer kommunalen Wärmeplanung verpflichtet. Gemeinsam mit dem Energieversorger Syna und seinem Nachunternehmer greenventory ist die Verbandsgemeinde Weißenthurm mit ihren Städten und Ortsgemeinden jetzt offiziell in diesen Zukunftsprozess gestartet.
Wie künftig Häuser und Wohnungen in der VG geheizt werden und welche Möglichkeiten es vor Ort für eine sichere, bezahlbare und klimafreundliche Wärmeversorgung gibt, sind die wesentlichen Fragen, mit denen sich künftig die kommunale Wärmeplanung der VG beschäftigt. Eine interne Auftaktveranstaltung mit den beteiligten Akteuren gab den Startschuss für die Erarbeitung eines strategischen Wärmeplans für das gesamte VG-Gebiet.
Zunächst werden der Bestand und etwaige Potenziale analysiert. In den beiden Städten und fünf Ortsgemeinden, die zur VG Weißenthurm gehören, gibt es ein großflächiges Gasnetz, während bereits vollständig erneuerbar versorgte Gebiete fehlen. Der Großteil der Wohngebäude besteht aus Einfamilienhäusern, es gibt nur wenige Gebiete mit überwiegend
Mehrfamilienhäusern, dazu mehrere Industriegebiete und den großen Gewerbepark. „Jetzt geht es darum, die aktuelle Versorgungssituation auszuwerten, lokale Potenziale für erneuerbare Energien zu untersuchen und daraus einen individuellen Maßnahmenkatalog für die Verbandsgemeinde Weißenthurm zu entwickeln“, erklärte VG-Bürgermeister Thomas Przybylla und nannte die kommunale Wärmeplanung ein „strategisches Planungsinstrument“, das als wichtige Orientierung für zukünftige Entscheidungen und Investitionen dient.
Mit der kommunalen Wärmeplanung verfolgt die VG mehrere zentrale Ziele: Neben einer langfristig sicheren und möglichst stabilen Wärmeversorgung sollen Bürgerinnen und Bürger mehr Planungssicherheit für zukünftige Investitionen in ihre Heizungsversorgung erhalten. „Gleichzeitig leistet die Wärmeplanung einen wichtigen Beitrag zum Klimaschutz und zur Energiewende vor Ort“, unterstrich die Leiterin der Stabsstelle Wirtschaftsförderung, Tourismus, Klimaschutz und Presse, Lena Rasch.
Für die Bearbeitung des Wärmeplans kommt unter anderem ein sogenannter „Digitaler Zwilling“ zum Einsatz. Dieses digitale Planungstool ermöglicht umfangreiche Analysen und Filtermöglichkeiten und dient gleichzeitig als Energiewende-Cockpit mit zahlreichen Karten, Tabellen und Visualisierungen. „Darüber hinaus können verschiedene Szenarien direkt miteinander verglichen werden“, erläuterte Syna-Projektleiter Georg Hiltl. Durch die Verknüpfung der Wärmebedarfe und der Verfügbarkeit erneuerbarer Energiequellen – wie Solar, Geothermie sowie Abwärme aus Industrie, Abwasser und Gewässern – entstehen ein Zielszenario und eine konkrete Umsetzungsstrategie. „Der Wärmeplan liefert das Fundament, auf dem anschließend konkrete Machbarkeitsstudien, die detaillierte Erschließung einzelner Quartiere und ein kontinuierliches Monitoring aufbauen“, so Hiltl. Der Wärmeplan wird anschließend regelmäßig überprüft, neu bewertet und im fünfjährigen Rhythmus fortgeschrieben. Erste Ergebnisse der Bestands- und Potenzialanalyse werden für den Spätsommer erwartet. Über den Fortschritt der Wärmeplanung wird die Verwaltung die Bürgerinnen und Bürger regelmäßig informieren.

