Demenz ist nicht vollständig vermeidbar, doch viele Risikofaktoren lassen sich beeinflussen. Was jede und jeder selbst im Alltag tun kann, um sein Gehirn möglichst lang gesund zu halten, stand im Mittelpunkt des Vortrags zur Demenzprävention, zu dem das Netzwerk Demenz Mayen-Koblenz in Kooperation mit dem BürgerSTÜTZPUNKT+ und der Volkshochschule (vhs) der Verbandsgemeinde (VG) Weißenthurm sowie dem Pflegestützpunkt Weißenthurm eingeladen hatte. Mit viel Fachwissen, ihrer lebendig-humorvollen Art und zahlreichen praktischen Beispielen gelang es Referentin Nadja Hebert, das Thema Demenzprävention anschaulich und umsetzbar zu vermitteln.
Schon kleine Veränderungen können das Gehirn stärken und seine Gesundheit unterstützen. Nadja Hebert zitierte die Lancet Commission, nach deren Angaben aus dem Jahr 2024 bis zu 45 Prozent der Demenzfälle durch die Veränderung beeinflussbarer Risikofaktoren verhindert oder zumindest verzögert werden könnten. Als einfachen Wegweiser für den Alltag stellte Hebert ihr „LEBEN“-Modell vor, das für Lernen, Ernährung, Bewegung, Einbindung und nachhaltig gesund leben steht.
Als merk-würdigen Wegweiser für den Alltag stellte Nadja Hebert das Wort LEBEN für Lernen, Ernährung, Bewegung, Einbindung und nachhaltig gesund leben in den Mittelpunkt. Dahinter stehen viele Maßnahmen, die sich ohne großen Aufwand in den Alltag integrieren lassen. Die Demenzberaterin erläuterte, wie Neues auszuprobieren und geistig aktiv zu bleiben das Gehirn fordert und fördert. „Lernen Sie eine Sprache oder machen einen Tanzkurs“, schlug Hebert vor. Zudem machte sie deutlich, dass eine pflanzenbetonte, mediterran orientierte Ernährung mit Gemüse, Beeren, Vollkornprodukten, Nüssen, Hülsenfrüchten und guten Fetten die Gesundheit von Gehirn und Gefäßen unterstützt. Auch regelmäßige Bewegung spiele eine wichtige Rolle, weil sie Durchblutung, Koordination und das allgemeine Wohlbefinden fördert. „Demenzprävention bedeutet nicht, dass wir unser Leben komplett umkrempeln müssen, viel wichtiger ist es, bei sich selbst anzufangen und Schritt für Schritt Veränderungen in den Alltag zu integrieren“, unterstrich Nadja Hebert.
Doch Prävention beginnt nicht nur auf dem Teller oder beim Sport. Auch soziale Kontakte, Gemeinschaft und das Gefühl, dazuzugehören, sind entscheidende Faktoren. Ebenso sollten ausreichend Schlaf, die Behandlung von Hör- und Sehproblemen sowie die Gesundheit von Herz und Gefäßen nicht außer Acht gelassen werden. Und: Depressionen sollten ernst genommen und behandelt werden. „Rauchen zählt zu den vermeidbaren Risikofaktoren, beim Alkohol gilt: möglichst wenig ist besser“, sagte die Expertin.
Darüber hinaus nahm Nadja Hebert auch weniger bekannte Zusammenhänge in den Blick. So gibt es Hinweise darauf, dass eine Gürtelroseimpfung möglicherweise mit einem geringeren Demenzrisiko verbunden sein könnte. Auch Spiritualität, soziale Verbundenheit und Haustiere etwa mit Blick auf Bewegung, Stressabbau und Lebensqualität sprach die Referentin an. Besonders gut kam beim interessierten Publikum der praktische Ansatz des Vortrags an. Neben konkreten Übungen hatte die Referentin hilfreiche Informationen zu Nahrungsergänzungsmitteln sowie eine Alltagsampel zur Demenzprävention ausgelegt. Die Kosten für die Veranstaltung hatte das Netzwerk Demenz Mayen-Koblenz übernommen.
„Wir möchten mit unseren Veranstaltungen Wissen vermitteln, aber vor allem auch dazu ermutigen, selbst aktiv zu werden“, sagte die pädagogische Leiterin der vhs der VG Weißenthurm, Claudia Hauck. Mit den praktischen Anregungen zum Mitnehmen hätten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer konkrete Ideen und Vorschläge, welche kleinen Veränderungen sich im eigenen Alltag umsetzen lassen. Genau darin lag die wichtigste Botschaft des Vortrags: Demenzprävention bedeutet nicht, alles perfekt machen zu müssen. Vielmehr können viele kleine, dauerhaft umsetzbare Schritte einen Unterschied machen. Nadja Heberts Appell: „Ein Spaziergang, ein Treffen mit Freunden, eine ausgewogenere Mahlzeit oder der Mut, etwas Neues zu lernen können genau eine solche kleine Entscheidung sein, mit der die Gesundheitsvorsorge für das Gehirn beginnt.“

