Kleine Sensation in der VG Weißenthurm: Seltene Weißstorch-Brut beringt und besendert


Der Weißstorch war in Rheinland-Pfalz von 1974 bis 1996 ausgestorben. Dank der aktiven Wiederansiedlung in der Pfalz etablierte sich im südlichen Teil des Landes eine stabile Population. Erstmals haben Weißstörche in diesem Jahr auch im nördlichen Rheinland-Pfalz am Rhein erfolgreich gebrütet und ziehen derzeit Nachwuchs groß. Die drei Jungstörche aus dem Horst auf einer Pappel direkt am Rheinradweg in Mülheim-Kärlich wurden beringt und mit modernen GPS-Sendern ausgestattet. Damit beginnt die wissenschaftliche Beobachtung der Tiere, deren Wege künftig in Echtzeit verfolgt werden können. Der Bürgermeister der Verbandsgemeinde Weißenthurm machte sich vor Ort ein Bild von der Brut, die als kleine Sensation und bedeutenden Erfolg für den Naturschutz in der Region gilt.

Ein Jungstorch bekommt einen Ring mit GPS-Sender angelegt. 

Die Besenderung übernahm der Storchenexperte Christian Reis von der Vogelwarte Radolfzell. Für den sicheren Zugang zum rund 18 Meter hoch gelegenen Horst stellte die Castell Arbeitsbühnen GmbH kostenfrei eine Arbeitsbühne zur Verfügung. „Durch die Beringung und GPS-Besenderung können wertvolle wissenschaftliche Erkenntnisse über Zugverhalten, Lebenserwartung und Ortstreue, aber auch mögliche Todesursachen der Tiere gewonnen werden“, erläuterte Diplom-Biologin Katja Preiß. Bei Gefahr zeigen junge Störche ein besonderes Verhalten: Sie stellen sich tot und verharren regungslos. Dieses natürliche Schutzverhalten erleichtert Ehrenamtler Christian Reis die sichere Handhabung während der kurzen Untersuchung und der Anbringung der Ringe mit den GPS-Sendern. Über die kostenlose App „Animal Tracker“ können interessierte Bürgerinnen und Bürgern nahezu in Echtzeit die Bewegungen der besenderten Störche verfolgen. So lässt sich beobachten, wann die Tiere ihre ersten weiten Reisen antreten, welche Routen sie auf ihrem Zug in die Winterquartiere nach Afrika oder Südeuropa wählen und ob sie in den kommenden Jahren wieder an den Rhein zurückkehren.Entdeckt wurde das Storchenpaar Mitte März von einem Hundespaziergänger. Seine Beobachtungen gab er weiter an Manfred Schmid, Vorsitzender des Klima- und Umweltbeirates der VG. Der Umweltaktivist informierte wiederum Preiß, die den Horstbau und das Brutgeschehen ab diesem Zeitpunkt täglich verfolgte. „Die drei Jungvögel entwickeln sich gut und tragen die für ihr Alter noch typischen, schwarzen Schnäbel, die sich im Laufe des ersten Lebensjahres rot färben“, erklärte die Urmitzer Biologin und sprach von einem positiven Zeichen für die Region: „Die erfolgreiche Brut zeigt, dass die Tiere am Rhein geeignete Lebensbedingungen vorfinden.“ Auch Bürgermeister Thomas Przybylla begleitete die Beringungsaktion vor Ort und verschaffte sich von der Arbeitsbühne aus in luftiger Höhe einen Eindruck von den drei Jungstörchen. „Die erfolgreiche Weißstorch-Brut ist etwas ganz Besonderes für die Verbandsgemeinde Weißenthurm, wir hoffen sehr, dass sich die Störche dauerhaft bei uns ansiedeln und auch künftig nach Mülheim-Kärlich zurückkehren“, sagte er.Weißstörche gelten als ausgesprochen horsttreu. Haben sie einen geeigneten Brutplatz gefunden, kehren sie häufig über viele Jahre hinweg an denselben Standort zurück. Daher hoffen die Beteiligten, dass sich das Storchenpaar dauerhaft in Mülheim-Kärlich etabliert und künftig regelmäßig für Nachwuchs sorgt: „Wenn das Brutpaar auch in den kommenden Jahren zu seinem Horst zurückkehrt und weitere Jungvögel großzieht, wäre das eine wunderbare Entwicklung für unsere Region und ein echtes Aushängeschild für den Natur- und Artenschutz vor Ort“, so Przybylla.