Schwammstädte, Regendiebe und viel Grün: Ideen für klimaresiliente Gärten


Der diesjährige Hitzesommer hat mit extremer Trockenheit, verdorrten Pflanzen und einem ungewöhnlich niedrigen Rheinpegel deutlich vor Augen geführt, welch kostbares Gut Wasser ist. Wie jede und jeder buchstäblich vor der eigenen Haustür einen Beitrag dazu leisten kann, Regenwasser besser zurückzuhalten und Gärten widerstandsfähiger gegen die Folgen des Klimawandels zu machen, haben die bekannten Gartenexperten Heike Boomgaarden und Werner Ollig in ihrem Vortrag „Wasser pflanzen“ erläutert. Im Rahmen der Klimaschutzreihe „Heimat entdecken - Zukunft gestalten“ waren die engagierten Biodiversitätsbotschafter zu Gast bei der Verbandsgemeinde (VG) Weißenthurm.

Wie entscheidend neue Wege im Umgang mit Wasser sind, machte bereits der Blick auf die Statistik deutlich. Das Experten-Duo zeigte eindrücklich auf, welche Folgen die Hitzerekorde 2026 mit mehr als doppelt so vielen Hitzetagen wie noch 2020 im Zusammenspiel mit zugepflasterten Ortskernen haben. „Es entsteht das Wasserparadoxon, wenn durch die intensive Wärme die Verdunstung steigt, mehr größere Wolken entstehen, die zu Starkregen führen und so Dürre und heftige Unwetter einander bedingen“, erklärte Heike Boomgaarden. Zusätzlich verhindert neben der Versiegelung der extrem trockene Boden, dass Wasser versickern kann. „Da helfen auch Bäume, die in kleine Beete in asphaltierten Straßen oder gar in große Kübel gepflanzt werden, nicht viel“, betonte Ollig. Der frühere Leiter der Gartenakademie Rheinland-Pfalz plädiert dafür, Regenwasser dort zu speichern, wo er fällt und verwies auf das Prinzip der Schwammstädte. „Ziel ist, in den Städten und Orten Versickerungsflächen zu schaffen, eine grüne Infrastruktur mit Bäumen und Pflanzen, Fassaden- und Dachbegrünung“, so der Experte, der Bäume als die „besten Klimaanlagen überhaupt“ bezeichnete, weil sie Sauerstoff produzieren, Schatten spenden, die Erde lockern, nebenbei noch CO2 reduzieren und mit ihrem Kronendach Starkregen bremsen. Sein Appell: „Pflanzt Bäume und Sträucher.“Welche das im eigenen Garten sein könnten, zeigte die gelernte Obstgärtnerin Boomgaarden. Ihre besondere Empfehlung: Walnuss- und Maulbeerbäume, die essbare, weißblühende Mandel, Ebereschen und rotblättriger Holunder. „Auch Olivenbäume funktionieren hier“, betonte sie. Als Alternative für Rasenflächen, die es zukünftig sehr schwer haben dürften, schlug Boomgaarden vor, kleine Baumgruppen auf die Fläche zu pflanzen, mit Stauden zu ergänzen und zusätzlich mit Sträuchern, aber auch Steinen, für Struktur zu sorgen. Und: „Eine Wiese ist in jeder Hinsicht besser als Rasen, einfach mal zumindest in einem bestimmten Bereich wachsen lassen und schauen, was sich entwickelt.“

Heike Boomgaarden udn Werner Ollig zeigen den Regendieb, einen Einsatz für das Fallrohr am Haus.

Um mehr Wasser in den Garten zu bekommen, hatten Boomgaarden und Ollig den Regendieb im Gepäck. Das handelsübliche Blechteil für das Fallrohr am Haus sammelt das Regenwasser, das über einen Schlauch weg vom Haus in Beete oder Teiche geleitet wird. Anders als bei einer Regentonne kann nichts überlaufen und eventuell die Hauswand schädigen. „Einfach den Schlauch etwa fünf Meter entfernt in den Garten legen, alle vier Wochen verlegen und für einen feuchten, stabilen Boden sorgen“, erklärte Boomgaarden. Auch im Winter kann die Konstruktion in Betrieb bleiben, Frostschäden seien in unserer Region nicht zu befürchten.

Heike Boomgaarden und Werner Ollig stehen mit VG-Touristikerin Lena Beck vor der Präsentation und vor dem Publikum. 

Als weitere Methode, dem Boden Wasser zuzuführen, nannte das Duo das sogenannte Regengarten-Prinzip. Dabei kann das gesamte Oberflächenwasser in einer mit Stauden bepflanzten Mulde versickern. „Auch Fugenvergrünung hilft“, betonte Boomgaarden und verwies auf trittfeste Kräuter und Gräser, die zudem schön aussehen und das mühsame Entfernen von Grün aus den Ritzen von Pflastersteinen überflüssig machen. Es sei dringend erforderlich, jetzt ökologische Maßnahmen zu ergreifen, das Regenwasser in der Region zu halten und Versiegelung aufzubrechen, so das Fazit des Gartenbauexperten-Duos. „Wir können nicht das große Ganze ändern, aber im Kleinen dagegen anpflanzen“, so ihre eindringliche Aufforderung, die das interessierte Publikum gerne annahm. Mit vielen konkreten Fragen nutzten die Gäste die Gelegenheit, sich kompetente Anregungen und Beratung rund um die Gestaltung klimaresilienter Gärten zu holen. „Mich hat besonders beeindruckt, wie viele einfache Möglichkeiten es gibt, direkt im eigenen Garten etwas für den Wasserhaushalt und das Klima zu tun,“ erklärte VG-Touristikerin Lena Beck, die für die Reihe „Heimat entdecken – Zukunft gestalten“ federführend verantwortlich ist. Genau solche praktischen Anregungen wolle die Veranstaltungsreihe vermitteln.  

Im Rahmen von „Heimat entdecken – Zukunft gestalten“ steht am 12. September 2026 um 14 Uhr eine Naturtour rund um Ton, Wald und Obstwiesen am Kärlicher Berg auf dem Programm. Am 29. September 2026 erwartet Interessierte ein Vortrag über fairen Handel am Beispiel eines der beliebtesten Heißgetränke: Kaffee.